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Wenn „Der Borkener" zum Dauer-Ärgernis wird – Ein Hilferuf von der Schiene
Von Rhade bis Bottrop: Meine persönliche Geschichte mit einer Problembahn
Wenn man wie ich im beschaulichen Dorsten-Rhade aufgewachsen ist und täglich zum Gymnasium Petrinum nach Dorsten pendeln musste, hat man ein ganz besonderes Verhältnis zur Eisenbahn. Damals gehörte die Fahrt mit dem Zug einfach zum Schulalltag – sie war verlässlich und verknüpfte unsere Region.
Nach Jahren in Großstädten wie Dresden und Frankfurt am Main habe ich mein Zuhause inzwischen in Bottrop gefunden. Doch was ich hier seit Monaten im regionalen Bahnverkehr erleben muss, übertrifft selbst die kühnsten Befürchtungen. Die Linie RE 14 – offiziell „Emscher-Münsterland-Express", im Volksmund „Der Borkener" – macht Probleme ohne Ende, und es scheint von Woche zu Woche schlimmer zu werden.
1 Ausfall ab 26 Grad: Die Klimaanlagen-Posse
Was im Sommer 2026 passierte, klingt wie ein schlechter Witz, war für Tausende Pendlerinnen und Pendler jedoch bitterer Ernst: Sobald das Thermometer die Marke von 26 Grad Celsius überschritt, fielen bei den Dieseltriebwagen der Rhein-Ruhr-Bahn (Typ Talent, Hersteller Bombardier) reihenweise die Klimaanlagen aus. Die Konsequenz: Der Zugbetrieb wurde ab mittags teils komplett eingestellt oder durch Ersatzbusse ersetzt.
Wie ernst die Lage inzwischen ist, zeigt ein Krisengespräch zwischen VRR und Rhein-Ruhr-Bahn, über das die WAZ am 23. August 2026 berichtete. Darin wird VRR-Pressesprecherin Sabine Tkatzik mit den Worten zitiert, die fahrzeugbedingte Ausfallquote habe im vergangenen Monat dazu geführt, dass annähernd jede fünfte Fahrt aufgrund von Fahrzeugstörungen ausgefallen sei. Dass Dieselfahrzeuge im Sommer bei milden 26 Grad schlappmachen, wirft ein bezeichnendes Licht auf die Instandhaltung der Flotte.
2 Chaos bei Ersatzverkehr und Fahrgastinformation
Wer meint, der Ersatzverkehr (Schienenersatzverkehr, SEV) fange das Problem auf, wird eines Besseren belehrt:
- Fahrplan-Verwirrung: Die digitalen Fahrplanauskünfte (DB-Navigator, VRR-App) zeigten wahlweise falsche Abfahrtszeiten oder spuckten die eingerichteten Busse gar nicht erst aus.
- Kein Verlass auf Ersatzbusse: Auch wenn die Rhein-Ruhr-Bahn Besserung gelobt, wichen Busfahrzeiten drastisch von den Ankündigungen ab.
- Überfüllte Ausweichmöglichkeiten: Wer von Bottrop nach Essen muss, weicht in seiner Verzweiflung auf den Schnellbus SB16 aus. Die Folge: Der SB16 platzt vor allem an Wochenenden aus allen Nähten.
3 Ein Teufelskreis aus Baustellen, Teilausfällen und Untätigkeit
Kaum sinken die Temperaturen und die Hitzeperiode ist vorbei, folgen die nächsten Hiobsbotschaften:
- Dauerhafte Instandsetzung: Weil Klimaanlagen und Triebwagen nach den Hitzetagen weiter repariert werden müssen, fehlen Züge. Viele Fahrten rollen nur in Einfachtraktion statt Doppeltraktion – mit entsprechend halbierter Sitzplatzkapazität.
- Baustellen ohne Ende: Kaum war die monatelange Sperrung zwischen Bottrop und Essen aufgehoben, stehen schon die nächsten Arbeiten der DB InfraGO an.
- Politische Entrücktheit: Schon am 11. Februar 2026 hatte der Rat der Stadt Gladbeck einstimmig eine Resolution ans Land NRW verabschiedet – Kernsatz: „Der Rat erwartet von allen beteiligten Akteuren, dass die Interessen der Pendlerinnen und Pendler sowie der betroffenen Kommunen ernst genommen werden." Während Gladbeck also schon vor einem halben Jahr reagiert hat, herrscht im Bottroper Rathaus bis heute dröhnendes Schweigen. Pendler fühlen sich komplett auf sich allein gestellt.
Die ernüchternde Perspektive des VRR: Wirkliche Abhilfe durch neue batterieelektrische Züge (BEMU) gibt es erst mit dem Betreiberwechsel zu DB Regio – ursprünglich für 2025 geplant, wegen Lieferverzögerungen bei den Fahrzeugen inzwischen auf Dezember 2029 verschoben. Bis dahin sollen Pendler im Ruhrgebiet und Münsterland noch über drei Jahre lang die Zähne zusammenbeißen? Das darf und kann nicht der Anspruch an modernisierte Mobilität im Revier sein!
Quellen: WAZ, „Ausfälle, Hitze, Sperrungen: VRR und Rhein-Ruhr-Bahn führen Krisengespräche zur Verbesserung des RE 14", 23. August 2026; Ratsbeschluss der Stadt Gladbeck vom 11. Februar 2026; VRR/Wikipedia zum Niederrhein-Münsterland-Netz.